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Besucher: 216254| Minister hörte sich die Sorgen der Bürger an |
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Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU) war bei seinem gestrigen Besuch im Gerstunger Rathaus deutlich um Konsens bemüht. Es gibt zwar unterschiedliche Auffassungen, wie der Kalikonzern zu einer umweltgerechten Produktion zu zwingen ist . Aber wichtiger ist im Moment die Tatsache, dass miteinander gesprochen wird.
Gerstungen. Fast zwei Stunden hatte sich der Minister Zeit genommen. Ergebnisse waren nicht zu erwarten. Allein die Bereitschaft zum Gespräch sowie das Versprechen, offene Fragen in den zuständigen Behörden zu diskutieren und dann Antworten zu geben, werteten die anwesenden Vertreter aus Gemeinden und Städten des Werratals als einen ersten Erfolg. Denn lange Zeit hatten diese das Gefühl, dass einseitig zu Gunsten von Kali und Salz entschieden wird. "Die Politik hat uns im Stich gelassen", formulierte es Klaus Reinhardt von der Bürgerinitiative "Für ein lebenswertes Werratal", die sich vor vier Jahren im Zusammenhang mit dem Bau des Müllofens im hessischen Heringen gegründet hat. Die Versenkung der Abwässer aus der Kaliproduktion ist in Thüringen zwar untersagt worden, doch in Hessen wird sie weiter praktiziert. "Acht Kilometer von hier", fügte Gerstungens Bürgermeister Werner Hartung (pl) hinzu. Er sah es als erwiesen an, dass diese Methode das Trinkwasser belastet. Während Jürgen Reinholz nur von einer "möglichen Gefährdung" sprach. Ulf Frank, Werkleiter des Eigenbetriebs, argumentierte, dass sich die Qualität etwas verbessert hat, nachdem auf Thüringer Seite nicht mehr verpresst werden darf. Trotzdem würden Brunnen hohe Salzgehalte aufweisen. Ob diese nun direkt von den Produktionsabwässern herrühren oder die Versenkung den natürlichen Salzwasserspiegel in die Schichten gedrückt habe, in denen Gerstungen sein Trinkwasser gewinnt, sei erst mal egal. "Salz bleibt Salz", so Alexander Reitinger, der Anwalt der Gemeinde. Er wünschte sich Aussagen, ob das Land bereit ist, mit K+S über Schadensersatz und ein Konzept für den Notfall zu verhandeln. "Wir wollen die Bürger nicht aus Tanklastzügen versorgen müssen." Die Beantwortung der Fragen blieb offen. Ebenso wie die zu Gefahren durch Gebirgsschläge oder giftige Stoffe auf den Abraumhalden, die Johannes Woth, Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Berka/Werra, stellte. Er verwies außerdem darauf, dass man sich Aussagen zu den Inhaltsstoffen der Halden per Gericht erzwingen musste. Reinholz indes berichtete von schwierigen Verhandlungen mit Vertretern des Kalikonzerns: "Die Brüder reichen keinen Genehmigungsantrag ein und wollen stattdessen von uns wissen, was sie tun sollen. So geht das nicht." Bis Ende 2012 müsse eine Lösung für das Werk in Unterbreizbach gefunden werden, weil dann keine Lauge mehr in die Werra eingeleitet werden darf. Für Walter Hölzel, Vorsitzender der Anrainergemeinschaft von Werra und Weser, hat das Vorgehen von K+S Methode. Auch in der Vergangenheit habe man bis kurz vor Auslaufen von Fristen gewartet und dann mit der Schließung von Werken gedroht, so dass die Behörden die Genehmigungen doch erteilten. "Damit macht sich die Politik erpressbar", so Hölzel. Er wünschte sich umgekehrt, dass die Politik Rahmenbedingungen setzt, an die sich der Konzern zu halten hat. Dabei sollten alle betroffenen Bundesländer Hand in Hand arbeiten. Vor allem Thüringen müsse zudem ein Interesse daran haben, dass K+S modernste technische Methoden anwendet, hat sich damit doch eine im Freistaat ansässige Firma weltweit einen Namen gemacht. Eine Alternative zur Versenkung im Untergrund und zur Einleitung in die Werra stellt laut Hölzel das Verfestigen und Verdampfen der Rückstände und die Lagerung unter Tage dar. Das sieht auch Minister Reinholz so. Und er versprach, wieder nach Gerstungen zu kommen. Birgit Schellbach / 26.10.10 / TA |
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| Letzte Aktualisierung ( Samstag, 30. Oktober 2010 ) |
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