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Ein Mann kämpft für seinen Fluss PDF Drucken E-Mail
Friedrich Franke setzt sich für eine saubere Werra ein, misst seit drei Jahren den Salzgehalt.

Bad Sooden-Allendorf. Diesem Mann macht keiner etwas vor – zumindest, wenn es um den Salzgehalt des Werrawassers geht: Friedrich Franke misst seit drei Jahren in schöner Regelmäßigkeit, wie versalzen die Werra ist. Er macht das, um zu dokumentieren, was das Kali-Unternehmen K+S der Umwelt antut.
Im Einsatz: Friedrich Franke aus Bad Sooden-Allendorf misst am Pegel regelmäßig per Gerät den Salzgehalt des Werrawasser und ist selten so gut gelaunt über die Ergebnisse.

„Es ist eine Schande“, sagt Franke und fügt an: „Ein Unternehmen, das so viel Geld verdient, muss doch mehr für den Umweltschutz tun, mehr Geld dafür ausgeben.“ Dass es nicht so ist, kann der 78-jährige Allendorfer nicht verstehen. „Sie nutzen die alten Bestimmungen aus“, sagt Franke. So ist seine Werra längst kein Süßwasserfluss mehr.

„„Wir hatten schon Nordsee-Salzgehalt.“

Friedrich Franke

Dass es schon schlimmer war, ist für Franke kein Trost. „Wir hatten schon Nordsee-Salzgehalt.“ Das war zu DDR-Zeiten, als die ostdeutschen Kali-Werke gnadenlos ihre Lauge in den Fluss kippten. Der reagierte mit Fischsterben und Schaumkronen auf dem Wasser. „Dann verbot mir meine Mutter das Baden im Fluss“, erinnert sich Franke, heute gar nicht zurückdenken mag an jene Zeit, als es in Allendorf noch die Flussbadeanstalt gab. „Es war manchmal eine richtige Brühe.“

In der Nach-DDR-Zeit sei es zwar besser geworden. Doch statt 30 Kilo Salz pro Kubikmeter Wasser ist die Werra heute mit 2,5 Kilogramm Salz gewürzt. „Zu viel“, sagt Franke.

Das elektronische Messgerät liegt griffbereit im Kofferraum seines Autos. Er hält die an einem Kabel befestigte Sonde am Pegel Allendorf in das braune Werrawasser. „2,4“ zeigt die Digitalanzeige. Das heißt: 2,4 Kilogramm pro Kubikmeter Wasser. Bei einer Fließgeschwindigkeit von 50 Kubikmeter/Sekunde sind das 120 Kilo Salz, die pro Sekunde die Werra hinunterfließen. Das sind pro Stunde 432 000 Kilogramm, am Tag gar 10 000 Tonnen Salz oder 333 Fuhren mit dem 30-Tonner-Laster.

Zahlen, die Friedrich Franke nicht mehr schocken, aber immer noch maßlos ärgern. Deshalb macht er weiter mit den Messungen, und unterstützt so die Bürgerinitiative „Rettet die Werra“. Darüber, dass es die gibt, ist Franke froh. Seitdem ist viel passiert, sagt er. „Vorher haben alle davon gewusst, aber nie ist es groß herausgekommen.“

Deshalb war Franke von der ersten Versammlung an dabei, hat Hilfe angeboten. Seit drei Jahren fährt er regelmäßig, mindestens dreimal im Monat, und bei extremen Wasserständen an den Pegel, misst das Salz und notiert die Werte.

So weiß er, dass K+S den Wasserstand genau beobachtet. „Bei Hochwasser, so am 27. Februar, als der Pegel 3,70 zeigte und der Fluss eine Geschwindigkeit von 230 Kubikmeter/Sek. hatte, legte auch K+S nach: 345 Kilogramm Salz flossen pro Sekunde gen Weser, 1200 Tonnen in der Stunde, 28 800 Tonnen am Tag, 960 Lkw-Ladungen. Um das zu zeigen, macht Friedrich Franke weiter. „Bis zum 80.“, sagt er. Vielleicht misst er noch länger – für seinen Fluss, die an dem er aufgewachsen ist, für eine salzfreie Werra. „Dafür sollten alle kämpfen.“

Von Thomas Kopietz

Quelle: HNA-Online

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 9. Mai 2010 )
 
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