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Gemeinde Gerstungen beantragt Versenkungsstopp für K+S-Lauge in Hessen PDF Drucken E-Mail
Die Gemeinde Gerstungen will mit einem Antrag beim Verwaltungsgericht Kassel erwirken, dass im Bereich des hessischen Kleinensee keine Kalilauge des Kasseler Konzerns K+S mehr versenkt werden darf. Zudem erstattet die Gemeinde Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Gewässerverunreinigung.

Gerstungen/Kassel. Gleich zweimal geht Post aus Gerstungen nach Kassel ab. Der eine Adressat des gemeindlichen Schreibens ist das Verwaltungsgericht in der nordhessischen Stadt, der zweite Adressat die dortige Staatsanwaltschaft. Im Schreiben an das Verwaltungsgericht Kassel stellt die Gemeinde Gerstungen den Antrag, das Gericht möge einen Stopp der Versenkung von Salzabwässern aus der Produktion von K+S im Bereich Kleinensee des Werkes "Wintershall" verfügen. Dieses Ansinnen hatte die Gemeinde Gerstungen bereits beim eigentlich zuständigen Regierungspräsidium (RP) Kassel vorgetragen, aber ohne damit Erfolg zu haben. Das RP hat zwar ein Verfahren eingeleitet, um die möglichen Versenkmengen für K+S deutlich niedriger werden zu lassen, als es die jetzige Versenkgenehmigung vorsieht, allerdings, so die Kritik auch der Gemeinde Gerstungen, werde damit nur die erlaubte Menge an den Bedarf der Firma angepasst. Hintergrund für den Antrag ist wieder, dass die Gemeinde ihre Trinkwasser-Vorräte in akuter Gefahr sieht. Ein Gutachten weist aus Gemeindesicht nach, dass die bei Kleinensee versenkten Salzabwässer direkt die Trinkwasserzonen in Gerstungen beeinflussen. Und dies wohl nachhaltig. Die Lauge bahnt sich ihren Weg. Dies liest die Gemeinde auch daran ab, dass aus ihrer Sicht im Bereich der Gerstunger Mulde weiter Lauge in andere Bereiche schwappt, ob wohl dort die Versenkung schon seit Monaten gestoppt ist. Mit dem zweiten Schreiben an die Staatsanwaltschaft stellt die Gemeinde Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Gewässerverunreinigung. Bei Untersuchung des Plattendolormits, in das auch bei Gerstungen Lauge versenkt wurde, hatte sich bereits 2008 herausgestellt, dass nur noch 40 Prozent der Salzabwässer dort noch zu finden waren. Der Rest war entweder schon in die Werra geflossen oder in den Grundwasser führenden Buntsandstein aufgestiegen. Damit, so sieht es die Gemeinde, ist der Strattatbestand der Gewässerverunreinigung erfüllt. Der Gerstunger Hauptausschuss votierte einstimmig dafür, dass Bürgermeister Werner Hartung diese Strafanzeige stellt. Zumindest dieses Verfahren kann sich allerdings hinziehen. Schon Ende 2007 hatte Gemeinde eine solche Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Meiningen gestellt. Dort wurde man auch aktiv, forderte weitere Stellungnahmen und Gutachten ab. Derzeit, so die Gemeinde, laufe das Ermittlungsverfahren aber noch immer.


Peter Rossbach / 09.04.10 / TLZ

Quelle: TA-Online

Letzte Aktualisierung ( Montag, 12. April 2010 )
 
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