|
Runder Tisch: Der 20:3-Mehrheit für die Pipeline wurden „goldene Brücken“ gebaut
Kassel / Heringen. Von vor dem Mittagessen bis abends um halb sieben wurde diskutiert – und dann gab’s doch noch einen Beschluss: Das Votum am runden Tisch zur Werraversalzung – 20 Stimmen für die Salzabwasser-Pipeline zur Nordsee, drei dagegen – war ein Kraftakt.
Da wurden am Dienstag im Regierungspräsidium Kassel Absätze hin- und hergetauscht, Halbsätze eingeschoben, Zahlen verändert. Das Ziel: eine möglichst breite Mehrheit für eine Nordsee-Röhre, für das Ende der Abwassereinleitung in die Werra und zudem für das Aus der Versenkung bis spätestens 2020.
Auch Teilnehmer des runden Tisches, die lange als Kandidaten für eine Enthaltung gegolten hatten, gingen zum Schluss mit: Allerdings ließen sich die Gewerkschaftsvertreter Stefan Körzell (DGB Hessen), Friedrich Nothhelfer (IG BCE Bezirk Kassel), Dr. Karl-Ernst Schmidt (Landrat Hersfeld-Rothenburg), Roland Ernst (K+S-Standort Unterbreizbach), Ralf Orth (K+S-Standort Philippsthal), Friedrich Krauser (Wartburgkreis) und Wenzel Mayer (Umweltministerium Hessen) ein goldene Brücke bauen. „Ja, aber“ in Fußnote
Das „Ja, aber“ von Gewerkschaften, Standort-Kommunen und Ministeriumsvertreter wurde in eine kleine Fußnote am Ende der Drei-Seiten-Empfehlung gepackt. Dort steht ein ziemlich verschachtelter Satz, der kurz gesagt folgendes meint: Wenn’s mit der Pipeline überhaupt nicht klappt oder erst später und K+S dafür nichts kann - dann soll, falls sonst nichts hilft, das Kali-Abwasser weiter in die Werra dürfen. „Allenfalls bis 2015“
Abweichende Minderheitsmeinungen ließen sich auch andere ins Protokoll schreiben. Zum Beispiel Stephan Gunkel (BUND Thüringen), Elke Meier (Nabu Niedersachsen) und Wolfram Brauneis (Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz), Christel Wemheuer (Landkreis Göttingen), Frank Hix (BI „Rettet die Werra“) und Frank Reimuth (Vertreter der hessischen Fischereiverbände): Sie alle wollen schärfer ran und halten die Versenkung „allenfalls bis 2015 für tragbar“. Kleiner Spielraum
Deutlich kleingeschrumpft ist auf dem Weg zur Abschlussempfehlung der Platz, den der runde Tisch der „Neuen Integrierten Salzabwassersteuerung“ (NIS) von K+S einräumt: Dieses Entsorgungssystem, das die Einleitung in der Werra besser verdünnen, die Versenkräume langfristig entlasten, aber keinen der beide Entsorgunsgwege wirklich aufgeben will, wird im Beschluss nur beiläufig erwähnt. Als „übergangsweiser Beitrag“ bis zum Funktionieren der Fernleitung.
Von Wolfgang Riek Quelle: HNA Online |